Letztes Jahr überraschte die US-Wirtschaft in allen Erwartungen und was ist mit diesem Jahr? Die erste Hälfte ist fast rum und die Konjunktur fand nicht den Anschluss an die Ergebnisse von 2014. Auf ganzer Linie, sei es bei den Exporten oder dem Konsumverhalten, gehen die Zahlen zurück. Die Unternehmen machen dagegen wieder mehr Gewinn, zur Freude ihrer Anleger.

Zinsanhebung ade

Hochgerechnet auf das Jahr, gab es von Januar bis März einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 0,7 Prozent. Genau diesen Faktor hatte die Fed-Bank immer wieder betont, da ohne ein ausreichend stabiles Wachstum keine Zinsanhebung in Frage kommt. Die ersten Prognosen waren noch minimal positiv gewesen, der Rückgang gleicht einem Tiefschlag. „Für Juni ist eine Erhöhung vom Tisch. Die Fed wird mehr Belege sehen wollen, dass die Konjunktur wieder auf den Pfad der Erholung zurückkehrt“, erklärte Commerzbank-Experte Christoph Balz.

Die Agrarwirtschaft wurde bspw. von den langen und starken Schneefällen ausgebremst. Hafenarbeiter im Westen der USA streikten und noch einiges mehr. Der starke Dollar verhinderte einen grösseren Rückfluss von Kapital bei den Firmen, (zwecks Versteuerung) sodass diese weniger in die Heimat investierten. Umsätze und Gewinne werden von solchen Wechselkursbeziehungen belastet. Zeitgleich liessen sich Produkte weniger attraktiv im Ausland absetzen. Importiert wird dagegen mehr als erwartet, ein Plus von 5,6 Prozent legte sich hier nieder. Der Eurokurs profitiert von der insgesamt schlechteren US-Konjunktur.

Hoffnung auf besseres zweites Quartal

Ökonomen sehen diesen negativen Trend nur als kurzfristig an und setzen auf ein stärkeres zweites Quartal 2015. Die Unternehmen konnten sich ein wenig verbessern, sodass nach Steuern mehr Kapital verblieb als im vergleichbaren Zeitraum. Jedoch alles aufs Jahr hochgerechnet, wodurch noch viel Spielraum für Überraschungen besteht. Die Löhne stiegen leider nicht in gleichem Masse, was ein wenig das Schrumpfen des privaten Konsums um 1,8 Prozent erklären dürfte. Auch bei den Investitionen legte man die Bremse ein und ging um 2,8 Prozent zurück. Im Juni kommt es deshalb wohl noch nicht zur Zinswende. Seit Ende 2008 liegt der Leitzins bei null bis 0,25 Prozent, was eigentlich positiven Einfluss auf die Konjunktur haben sollte.