Der Ölpreis gilt seit jeher als Indikator für die gesamte Wirtschaft. Angebot und Nachfrage beim Schwarzen Gold kann die Anleger glücklich oder nervös machen. Aktuell trifft Letzteres zu, denn das Überangebot an Rohöl lässt den Preis schwächeln. Am meisten davon betroffen ist Russland, die USA kann hingegen ihre Ölimporte zurückfahren in nächster Zeit.

Weltwirtschaft wird schwächer

Viele Experten gehen sogar soweit, den Ölpreis als wichtigsten Faktor für die Weltwirtschaft zu bezeichnen. Der starke Rückgang beim Preis pro Barrel in den letzten Tagen war deshalb ein Tiefschlag, dessen Wirkung sich womöglich noch gar nicht voll entfaltet hat. Grund dafür ist ein hohes Angebot gegenüber einer geringen Nachfrage. Die US-Sorte WTI senkte ihren Preis auf 90 Dollar je Barrel, was zuletzt im April 2013 geschehen war. Die Wirtschaftsregionen der Euro-Zone, China und Japan stehen mit einer schlechteren Konjunktur dar. Der August schrumpfte allein die deutsche Industrieproduktion um vier Prozent. So einen starken Rückgang hatten wir zuletzt im Januar 2009.

Einziger Gewinner scheint momentan die USA zu sein, denn langfristig können die Ölimporte zurückgeschraubt werden. Dafür sorgt das umstrittene Fracking im eigenen Land. Das US-Energieministerium sagt voraus, dass sich die Produktion in diesem Jahr von 7,45 auf 8,54 Millionen Barrel erhöhen wird und in 2015 soll es rauf 9,5 Millionen Barrel gehen. Damit wäre die Wirtschaftsmacht fast wieder beim höchsten Niveau aus dem Jahr 1970.

Russland unter Druck

Hinsichtlich des Bedarfs hat das Ministerium die Prognose aber runter gesetzt. Auch im nächsten Jahr rechnet die Behörde mit einer geringeren Abnahme von Rohöl. „Langsam aber sicher realisiert der Markt, dass die schwache Nachfrage nach Öl der entscheidende Grund für den Preisrückgang ist“, sagte Amrita Sen, Analystin von Energy Aspects in London.

Das Überangebot macht vor allem Russland zu schaffen. Das Land benötigt Preise von mindestens 100 Dollar je Barrel, um seine russische Wirtschaft stabil halten zu können. Denn das Rohöl sorgt für fast 50% der Einnahmen Russland. Die momentanen 90 Dollar je Barrel werden in nur einem Jahr zu einem Defizit von 1,2 Prozent beim BIP führen, erklärte die russische Sberbank und die Talfahrt soll noch weitergehen.