Ein US-Unternehmen mit großartiger Geschichte und reichlich Tradition erlebt derzeit eine große Talfahrt. Die Rede ist von Harley-Davidson. Schon länger straucheln Umsätze und Gewinne. Nun entscheidet sich auch noch der Firmenchef für den Rückzug. Momentan ist beim berühmten Motorradhersteller vieles ungewiss und das belastet den Aktienkurs massiv.

Matt Levatich geht

Das sinkende Schiff zu verlassen ist nicht gerade die feine Art. Einen schlechteren Zeitpunkt hätte sich Matt Levatich nicht aussuchen können. Nach Börsenschluss am Freitag wurde bekannt, dass Jochen Zeitz nun zeitweise die Unternehmensführung bewältigt. Er leitete früher den Sportartikelhersteller Puma. Seit 2007 wohnt er dem Aufsichtsrat von Davidson bei. Er bleibt solange in der neuen Position, bis eine dauerhafte Nachfolge gefunden wurde.

Ob er während seiner temporären Amtsbesetzung etwas verändern kann, bleibt offen. 1993 gelang es ihm in kürzester Zeit den angeschlagenen Sportartikelhersteller Puma zu sanieren. Nun könnte Zeitz dasselbe in den USA bewirken.

Levatich hat 1994 bei Harley-Davidson seine Arbeit aufgenommen. Im Mai 2015 stieg er zum Vorstandschef auf. Er machte viele Hochs und Tiefs mit. Fünf Jahre in Folge hat der Hersteller nun sinkende Absatzzahlen verzeichnen müssen. Ob auf dem heimischen Markt oder auf internationaler Ebene: Die legendären Motorräder sind immer weniger gefragt.

Handelsstreit mit China & andere Probleme

Gründe für die Krise bei Harley-Davidson gibt es wohl einige. Großen Einfluss nimmt wohl der immer noch währende Handelsstreit zwischen den USA und China. Außerdem bekam Präsident Donald Trump mit, dass das Unternehmen seine Produktion teilweise ins Ausland verlagerte. Er rief deshalb zum Boykott auf, welcher Wirkung zeigte.

Eine klassische Harley-Davidsion wird vor allem von älteren Kunden bevorzugt. Eine Zielgruppe, welche unter diesen Umständen nicht von allein nachwächst. Weshalb Harley-Davidson erste Versuche mit elektrisch angetriebenen Motorrädern unternommen hat. Dadurch sollen auch jüngere Fahrer Gefallen an der Marke finden.

„Wir betrachten 2020 als entscheidendes Jahr“, erklärte Levatich Ende Januar. Harley-Davidson sei sich der großen Herausforderung bewusst. Warum er ausgerechnet jetzt seinen Rücktritt verkündet, bleibt ungeklärt.

Doch scheinbar war es ein Wunsch der Anleger. Zumindest ergab sich nachbörslich ein Plus von mehr als fünf Prozent. Der aktuelle Kurs des Wertpapiers beträgt um die 28€. Zu Bestzeiten war es mehr als dreimal so teuer.