Und wieder werden die US-Bürger und Unternehmen von ihrer Zentralbank hingehalten. Die US-Notenbank Fed hat entschieden: Der Leitzins wird vorerst nicht angehoben! Dabei stimmen die wichtigsten Faktoren wie Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung. Die neue Ausrede bezieht sich auf die Unruhen im Ausland.

Gut 10 Jahre keine Anhebung

„Die jüngsten Entwicklungen der Welt- und Finanzwirtschaft“ beunruhigen die Währungshüter der USA. Es wird hierbei von einem „könnte“ gesprochen, denn die Weltgeschehnisse könnten die eigene Wirtschaft negativ beeinflussen. Unter so einem Vorwand könnte die Fed stets die Leitzinserhöhung meiden. Fed-Chefin Janet Yellen verwies auf die Börsenprobleme in China. Erstaunlich ruhig blieb es aber an den eigenen Börsen nach dieser Entscheidung. Wirklich erstaunt war am Ende wohl kaum jemand darüber. Nach gut zehn Jahren tritt so etwas wie Gewohnheit ein.

Somit wird es wohl nichts mehr mit der Leitzinserhöhung in diesem Jahr und für 2016 schürt Yellen ebenfalls schon Zweifel. Ende 2008 begann der Niedrigzins so richtig, das Rekordtief von 0,25 Prozent hat er seitdem nicht mehr verlassen. Über drei Billionen Dollar wurden in Anleihen gesteckt und nun brummt die Wirtschaft wieder.

Entrüstete Reaktionen auf ganzer Linie

Aber das Geld bleibt billig und klassische Anlagen haben in den USA keine Chance auf Attraktivität. Scheinbar soll das Geld direkt ausgegeben oder in spekulativere Formen gesteckt werden. Spannend sind die Reaktionen verschiedener Experten, die seit dem Zinsentscheid veröffentlicht wurden.

„Leider hat die Fed die lange überfällige Leitzinserhöhung noch einmal herausgeschoben. Die Konjunktur hat sich in den USA weitgehend normalisiert. Dazu passt kein Leitzins nahe null“, erklärte Andreas Bley von der Deutschen Volks- und Raiffeisenbank. „Ich bin alles andere als überrascht. Es hätte mich schockiert, wenn die Fed ihre Zinsen angehoben hätte. Denn der Markt wäre darauf alles andere als vorbereitet gewesen“, witzelte Bob Michele von der JP Morgan Bank.

Brian Rehling, von der US-Bank Wells Fargo, schlägt sich dagegen auf die Seite der Fed: „In unseren Augen ist das die richtige Entscheidung. Die Inflationsdaten stützen derzeit noch keine Zinserhöhung.“ Wer dennoch eine Zinsanhebung erwartet hat, hat nun mit Frustration zu kämpfen.